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Vom Polarkreis auf die Lofoten
Polarlichter, Rentiere & der erste Schnee
Hallo ihr Lieben,
wie in der letzten Mail schon angeteasert, führt unser weiterer Weg über den Polarkreis wieder Richtung Norwegen. Wer sich fragt, wieso wir eine solche Zickzack-Route fahren - wir passen uns den örtlichen Wetterbedingungen an. Norwegen meint es nach wie vor nicht so gut mit uns und es regnet und stürmt quasi pausenlos - dafür scheint die Sonne in Schweden für uns. Wir haben ein kurzes Gute-Wetter-Fenster in Sicht und nehmen Kurs Richtung Lofoten. | ![]() |
Hier könnt ihr weiterhin unsere Route verfolgen und euch noch mehr Fotos zu allen Stationen und darüber hinaus in den “Footprints” anschauen: Find Penguins Routenverfolgung
Wir überqueren den Polarkreis und sind am nächsten Tag im Muddus Nationalpark, in dem wir zu einem Wasserfall wandern. Hier erfahren wir das erste Mal, dass das Moos, das hier überall von den Bäumen hängt, kein Zeichen für ungesunde Bäume ist, sondern ein beliebter Snack bei den Rentieren. Daher nennt es sich auch Rentier-Moos (Reindeer Lichen) und wir werden später noch davon Gebrauch machen.
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Wir fahren weiter nach Gällivare und im Stadtkern sehen wir direkt, dass die Rentiere eine wichtige Rolle spielen - sie sind auch im Stadtwappen vertreten. Im Touristenzentrum erfahren wir mehr über die Bergbaustadt und eine Mitarbeiterin führt uns durch die Ausstellung. Die Stadt lebt vom Eisenerzabbau und der Stadtkern wurde auf der Grund der Erweiterung verlagert. Das bringt vor Ort viel Unmut mit sich, aber sie geben sich mit einer eigenen Stadt-Vision und innovativer Stadtplanung sehr viel Mühe, die Einwohner mitzunehmen und mehr junge Leute anzuziehen. Die Mitarbeiterin, die ursprünglich aus Japan kommt, verdeutlicht mehrfach: “There is a future in Gällivare”.
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Unser nächstes Ziel ist das Freilichtmuseum “Nutti Sámi Siida”, in dem wir mehr über die indigenen Sámi erfahren und es Rentiere zu sehen gibt. Das Siedlungsgebiet des indigenen Volks erstreckt sich von Nord-Schweden und Norwegen über Finnland bis zur Kola-Halbinsel Russlands. Schnell wird klar, dass die Geschichte der Sámi von der Verdrängung aus ihrem Heimatgebiet Sápmi und der fehlenden Anerkennung für ihre Kultur überschattet wird. Die Gesamtbevölkerung des einzigen indigenen Volks Europas wird heute auf ungefähr 80.000 geschätzt. Seit 1953 findet jährlich die Sámi Konferenz übergreifend für alle 4 Länder statt, um die Rechte der Sámi zu vertreten.
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Die Sámi und Rentiere sind so eng miteinander verknüpft, da sie seit jeher eng zusammenleben. In Schweden ist die Rentierzucht auch nach wie vor den Sámi vorbehalten. Man darf sogar ins Gehege der Rentiere und sie mit Lichen füttern - das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Als der erste Kollege mit einem wirklich langen Geweih die Tüte sieht, kann er es kaum erwarten, bis wir ihm die Snacks anbieten - er fordert es auch vehement ein und wir wollen nicht mit ihm diskutieren. Für Streicheleinheiten ist keine Zeit… | ![]() |
Die Jüngeren der Herde sind zurückhaltender und wir können ihre überaus weichen Nasen anfassen. Die Geweihe sehen zum Teil ziemlich mitgenommen aus, weil sich das durchblutete Gewebe darauf gerade ablöst. Nachdem das geschehen ist, stoßen sie die Geweihe jedes Jahr nach der Brunftzeit ab und es wächst im Frühjahr wieder neu nach. | ![]() |
Außerdem hören wir das Klicken der Sehnen, das zur Kommunikation in der Herde dient. Wir sind fasziniert, von diesen kleinen Geschöpfen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. | ![]() |
Danach wärmen wir uns in einer Hütte am Feuer mit Kaffee aus einer traditionellen Kåsa, einem schöpfkellenförmigen Becher aus Holz, auf. Von dem Tag inspiriert, lade ich mir das Buch “Stolen” herunter, das von einer Sámi-Familie und ihrem Leben mit den Rentieren handelt.
Weiter geht es nach Kiruna, der Stadt mit der weltweit größten unterirdischen Eisenerz-Mine. Auch hier wurde das Stadtzentrum vor 2 Jahren verlagert und die neuen, modernen Bauten sind beeindruckend. Auf dem Bild sieht man zum Beispiel das Rathaus von innen. Es ist immer für Besucher geöffnet und es ist auf allen 6 Etagen Kunst ausgestellt. | ![]() |
Am Abend bekommen wir den ersten Schnee. Für die Nacht heißt es: gut einheizen! Unsere weitere Route verläuft über verschneite Straßen durch die schwedischen und norwegischen Berge hindurch. Und wir spüren, der Winter naht! | ![]() |
Auf den Vesterålen, die vor den Lofoten liegen, erwarten uns mildere Temperaturen und wir machen am nächsten Morgen gleich einen Spaziergang an einem weißen Sandstrand mit türkisblauem Wasser. Der Vergleich mit karibischen Stränden leuchtet uns auf jeden Fall ein. | ![]() |
Am Nachmittag wandern wir zum Djevelporten - Teufelstor und genießen den Sonnenuntergang über Svolvaer. Oben treffen wir eine junge Studententruppe von Norwegern und einer Deutschen, die aus Rosenheim kommt - so klein ist die Welt :-) Runter gings dann flott, denn die Kälte zieht ohne Sonne schon gut an.
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Für die nächsten Nächte sind gute Aussichten für Polarlichter angesagt. Nachdem wir die vorletzte Nacht schön geschlummert haben, während der Himmel einem Einheimischen zufolge “gebrannt” hat und wir die letzte Nacht mit Wecker mitten in der Nacht nichts gesehen haben, bereiten wir uns für die nächste Nacht besser vor. Wir fahren an einen Stellplatz außerhalb der Stadt, um möglichst wenig Licht um uns zu haben und es hat sich gelohnt - bereits um 23 Uhr tauchen am sternenklaren Himmel die ersten Lichter in kräftigem Grün und Rot auf. Für heute können wir guten Gewissens schlafen gehen. | ![]() |
Am nächsten Tag fahren wir weiter auf die Lofoten hinaus bis nach Reine, einem kleinen Ort mit ca. 300 Einwohnern, der sich Dank des Bergs “Reinebringen” bei Touristen großer Beliebtheit erfreut - oder bei Näherem hinschauen besser gesagt, die mittlerweile großen Touristenströme zu managen versucht. Wir sind auf jeden Fall froh, in der Nebensaison hier zu sein, denn auf Grund des beschränkten Platzes auf den Inseln gibt es schon jetzt nicht viele Parkmöglichkeiten. | ![]() |
Unser heutiges Ziel ist auch der Gipfel des Reinebringen, auf den man über 1.600 Stein-Stufen kommt. Wir fragen uns, wie diese riesige Treppe hier überhaupt hingekommen ist und erfahren, dass dafür Sherpas aus Nepal engagiert wurden, die bereits über 300 solcher Projekte in Norwegen fertiggestellt haben. Zum Einen, um die Wege sicherer zu machen - denn der Reinebringen ist schon lange ein beliebtes Wanderziel, jedoch kam es früher immer wieder zu Unfällen und auch Todesfällen. Und zum Anderen, um den Berg vor Erosion zu schützen, denn dank der Treppen bleiben die Wanderer auf den Wegen und es wird weniger Natur zerstört.
Die Aussicht auf dem Gipfel auf 484m ist wirklich überragend! Man sieht auf den Ort Reine hinab (wir können sogar unser Auto erkennen), hat ein unglaubliches Bergpanorama und blickt auf der Rückseite auf unendliche Weiten des Meeres.
Seht selbst!
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Am nächsten Tag schlägt das Wetter um und es liegen tiefe Wolken über dem Ort. Heute hätten wir wohl keine Aussicht auf dem Berg, aber die Stimmung hat auch seinen Reiz. Wir fahren bis ans Ende der Lofoten, nach Å, unseres Wissens dem kürzesten Ortsnamen der Welt - es liegt gefühlt auch wirklich am A**** der Welt. Hier ist auch schon die Off-season eingezogen und bis auf eine kleine Hütte, in dem deutsche Auswanderer frische Lachs- und Heringsbrötchen verkaufen, gibt es nicht viel. Wir genießen noch die mystische Stimmung und nehmen am Abend die Fähre aufs Festland. | ![]() |
In Bodø, Kulturhauptstadt 2024, besichtigen wir das Nordlandmuseum mit einer Ausstellung über moderne, samische Kunst.
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Wir kehren Norwegen den Rücken und fahren durch Schneegestöber zurück nach Schweden. Am nächsten Tag besuchen wir das Silvermuseum in Arjeplog, das samisches Kunsthandwerk und einen tollen Film über die Stadtgeschichte und die Verbundenheit zur Natur, früher und heute, in allen 4 Jahreszeiten zeigt. Der Ort ist heute vor allem bekannt, da viele Auto- und Reifenhersteller hier Testzentren für Bedingungen in Schnee und Eis betreiben. Funfact: Im Winter verdoppelt sich die Einwohnerzahl daher. Nach langer Zeit hat außerdem mal wieder eine Kirche offen, die wir uns ansehen, denn in der Regel sind diese leider geschlossen.
Wir fahren weiter bis an die finnische Grenze und verbringen 3 entspannte Tage in Kukkolaforsen am Fluss Tornionjoki, in dem nach wie vor traditioneller Fischfang betrieben wird und der als natürliche Grenze zwischen Schweden und Finnland dient. | ![]() |
Nach längerer Zeit des Wild-Campens, genießen wir es mal wieder auf einem Campingplatz zu sein und bekommen mit einer Indoor-Sauna und 2 Outdoor-Saunen schon einen Vorgeschmack auf die finnische Sauna-Kultur. Uns fehlt nur noch ein Sauna-Hut… | ![]() |
Auch sehen wir an zwei Abenden Polarlichter und dieses Mal haben sie richtig getanzt! Es war schon faszinierend, die Farben überhaupt zu sehen, aber wenn sie sich schnell bewegen und kräuseln, verschwinden und woanders wieder auftauchen, glaubt man seinen Augen kaum! | ![]() |
Heute haben wir die Grenze zu Finnland überquert und übernachten heute beim Weihnachtsmann! Ja, wir sind im Santa Claus Village in Rovaniemi und haben ihm heute sogar schon einen Besuch abgestattet. Er hat sogar ein paar Worte Deutsch gesprochen :-)
Morgen gehts nach Oulu und wir holen meine Schwester vom Flughafen ab. Von dort fahren wir gemeinsam Richtung Helsinki. Es wird kuschlig hier drin und wir freuen uns!
Wir schicken euch die allerliebsten Grüße vom Polarkreis - Santa und seine Rentiere schicken auch einen Gruß mit! | ![]() |
Wie immer freuen wir uns über Feedback, Anekdoten oder anderweitig von euch zu hören!
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